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ARCH+ 231:
The Property Issue

ARCH+ 231: The Property Issue - Von der Bodenfrage und neuen Gemeingütern
(in German with forthcoming English publication in May 2018)

With contributions by:
Florian Hertweck, Markus Hesse, Christian Schulz, and Luxembourg Institute for Socio-economic Research (LISER).

Die Frage „Wem gehört der Boden?“ ist für alle Gesellschaften zentral, weil die Ressource Raum genauso lebensnotwendig ist wie Luft und Wasser. Und doch wird die Bodenfrage von Architektinnen und Architekten selten explizit behandelt. Liegt es daran, wie Florian Hertweck provokant betont, dass sie „in erster Linie eine Illusion des Politischen produzieren, nicht zuletzt, weil sie ihre Projekte realisiert sehen möchten“?
Was tun? Wenig, weil es keine andere Alternative gibt als den Boden zu politisieren. Viel, weil bisher noch jeder daran gescheitert ist.

Den Boden zu politisieren heißt zunächst, eine politische Ökonomie der Stadt zu entwickeln und aufzuzeigen, dass der Ist-Zustand bezüglich Eigentum und Zugang, wie das erste Kapitel heißt, alles andere als ‚natürlich‘ ist. Diesen Umstand verdeutlicht der Grundlagenbeitrag „Die Grundrente der Kunst und der Ausschluss aus der Stadt“ des Philosophen Wolfgang Scheppe, der anhand des Beispiels von Venedig die aktuelle Stadtentwicklung aus einer umfassenden historischen Perspektive beschreibt.

Ein anderer Bereich, dessen Ordnung seit jeher ebenfalls als naturgegeben dargestellt wurde, ist die häusliche Sphäre. Bis heute fällt die Reproduktionsarbeit – also all jene Tätigkeiten wie beispielsweise Kindererziehung, Pflege, Kochen oder Putzen, die noch immer überwiegend zu Lasten von Frauen gehen – aus der ökonomischen Gleichung. Diesen blinden Fleck deckt das zweite Kapitel zu den Themen Produktion und Reproduktion mithilfe der feministischen Theorie auf. Dolores Hayden und Silvia Federici widmen sich dem häuslichen Bereich als genuin politischem Ort. Schließlich kann man die Bodenfrage nicht diskutieren, ohne die Wohnungsfrage zu berühren. Beide sind auf das Engste miteinander verwoben.

Im Zentrum steht die Ermächtigung der Menschen, die in neuen Solidaritätsnetzwerken die Durchsetzung bestehender Rechte einfordern und zugleich neue Grundrechte aushandeln. Das dritte Kapitel nimmt daher die Begriffe Recht und Solidarität in den Blick. Neben Autorinnen wie Raquel Rolnik und Naomi Klein, die die Bodenfrage aus kolonialer Perspektive betrachten, fordert darin Joseph Nevins ein Recht auf Welt ein.

Diese Ausgabe will dazu beitragen, die Vorstellungsorientierung hinsichtlich des Grundes der Stadt zu verändern und eine Reform der Bodenpolitik anzuregen, die die bodenpolitische Handlungsfähigkeit der Kommunen wiederherstellt. Die Vielzahl an Beiträgen zur Politik und Wirtschaft zeigen die vorherrschenden Konfliktlinien, aber auch mögliche Potentiale einer Neudefinition, die als Fernziel den Boden, und damit die Stadt als Gemeingut formuliert.

Auf lange Sicht müssen Prinzipien der Gemeinwirtschaft zur Grundlage der städtischen Ökonomie werden. Wie die Praxis der Commons, auch Commoning oder Gemeinschaffen genannt, aussehen kann, werden wir in der kommenden Ausgabe im Rahmen des Projekts An Atlas of Commoning: Orte des Gemeinschaffens gemeinsam mit dem ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) untersuchen.


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